Archiv für Januar, 2009

Sich selbst oder anderen die „Schuld“ geben

Veröffentlicht in Probleme am Januar 3, 2009 von fraenky

Angeblich ist es immer sehr einfach, die Schuld von sich zu weisen und sie „anderen in die Schuhe zu schieben“. Spätestens seit Freud ist diese Ausage nur noch übriggebliebener christlicher Nächstenliebe-Quatsch, der jeglicher objektiven Weltanschauung widerspricht. Nichts gegen Nächstenliebe, sie ist ein tolles Attribut, aber nur, wenn sie einer effizienten Problemlösung nicht im Weg steht.

Man kommt bei genauerer Betrachtung der eigenen Probleme sehr schnell davon weg, sich selbst die Schuld zu geben, da man erkennt, dass man für bestimmte Dinge nichts kann. Wut in Verbindung mit einem angeborenen erhöhten Testosterongehalt im Körper, als ein recht einfaches Beispiel. Ein anderer Aspekt des „nichts-dafür-könnens“ ist das Umfeld in dem man aufwächst und ganz besonders die Erziehung. „Wie will ich glauben, wenn ich nicht gehört habe?“, sagte einst Jesus und ein Mangel an Eigenschaften und Fähigkeiten, die einem Menschen nicht beigebracht werden, gepaart mit einem Umfeld, das genau diese erfordert, bringen Konflikte und ganz besonders Verzweiflung, wenn man die Schuld bei sich selbst sucht. Man wird niemals die Schuld bei sich selbst finden können. Die einzige Schuld die man einem Menschen zuschreiben kann ist, trotz des Erkennens der eigenen Schwächen und Fehler, sich selbst nicht verbessert zu haben. Ein Mensch der sich nicht verbessern will, nimmt grundlos an, dass er einen Maßstab darstellt für alle anderen Menschen und andere, die nicht so sind wie er, degradiert er automatisch zu Unnormalen.

Existieren in einer Gesellschaft bedeutet, Kompromisse eingehen, d.h. sich selbst zurücknehmen, und Gesellschaftsverträglich zu leben. Dies gilt in einer freien Gesellschaft, wie der unseren, genauso wie in Diktaturen, nur dort eben mit staatlicher Gewalt durchgesetzt. Wir folgen automatisch dieser „Regel“. Uns selbst verbessern bzw. anpassen, genau das macht jeder, egal für wie „frei“ er sich und seinen Willen hält. Als Beispiel hierfür nenne ich Mode, die einschließt und ausgrenzt, da man durch sie eine gewisse Zugehörigkeit demonstriert. Zu beobachten beispielsweise auf Schulhöfen. Zugegeben, je älter der Mensch wird umso mehr scheint dieses Phänomen in den Hintergrund zu rücken, aber auch dort gibt es derartige Phänomene, beispielsweise Autos und Reisen.

Genau aus solch einem Umfeld kommen Konflikte, wenn ein Mensch hineinkommt der all das nicht gelernt hat. Es ist nicht zu leugnen, dass unsere Welt so funktioniert, und es ist genauso nicht zu leugnen, dass es nicht anfänglich die Schuld eines Menschen ist, dass er sich in dieser Welt nicht zurechtfindet. Schuld sind in diesen Fällen, in denen keine eigene Verfehlung festgestellt werden kann, immer die anderen.